BERICHT




Das letzte SPQK-Symposium der ersten Phase des DFG-Schwerpunktes Quasikristalle: Struktur und physikalische Eigenschaftenfand am 13.-15. November 1998 im Apart-Hotel "Obere Mühle" in Bad Elster im sächsischen Vogtland statt. Das Thema des Symposiums, "Elektronen in Quasikristallen", wurde relativ allgemein gehalten, um sowohl experimentelle wie theoretische Arbeitsgruppen innerhalb des Schwerpunkts anzusprechen. Daß dies erfolgreich war, ist aus der beigefügten Teilnehmerliste zu entnehmen, wobei etwa ein Drittel der Teilnehmer zu experimentellen Arbeitsgruppen gehören. Der gewählte Termin, zwei Wochen vor Ablauf der Antragsfrist für die zweite Phase des Schwerpunktprogramms gelegen, war sicherlich mitverantwortlich dafür, daß sich insgesamt 28 Teilnehmer zu dieser Veranstaltung einfanden. So diente dieses Symposium neben dem Austausch der im Laufe des letzten Jahres gewonnenen neuen Erkenntnisse auch zur Standortbestimmung und als Anregung für neue Projekte. Aus diesem Grund wurde bei der Programmgestaltung, wie aus dem beigelegten Vortragsprogramm erkenntlich, besonders viel Raum für Diskussionen bereitgestellt. Auch an diesem Symposium nahmen Wissenschaftler, die nicht direkt am Schwerpunkt beteiligt sind, als Gäste teil, darunter zwei aus dem Ausland.

Einen thematischen Schwerpunkt bildete die Beschreibung der elektronischen Eigenschaften von Quasikristallen als elektronisch stabilisierte Hume-Rothery-Phasen, die sich physikalisch sehr ähnlich zu benachbarten amorphen Phasen verhalten. Hierzu wurden neue Meßdaten zu Transporteigenschaften von dünnen AlPdRe-Schichten vorgestellt, die, bei tiefen Temperaturen, eine Temperaturabhängigkeit der elektrischen Leitfähigkeit nach einem Potenzgesetz zeigen. Daneben wurden theoretische Arbeiten zu multifraktalen elektronischen Zuständen und lokalisierten Oberflächenzuständen in Quasikristallen vorgestellt, sowie der Einfluß von phasonischer Unordnung auf Transporteigenschaften diskutiert. Außerdem wurde in Überblicksvorträgen ein Einblick in die Theorie elektronischer Zustände in ungeordneten Systemen und in die Anwendung von Pseudopotentialen bei der molekulardynamischen Simulation von Quasikristallen gegeben.

Der zweite thematische Schwerpunkt betraf die magnetischen Eigenschaften von Quasikristallen. Neben einem Überblicksvortrag über die experimentelle Situation bei hohen Temperaturen gab es zwei theoretische Vorträge zu einem neuen Monte-Carlo-Algorithmus, der zur Bestimmung der kritischen Temperatur in quasiperiodischen Ising-Modellen eingesetzt werden soll, und zu Relevanzkriterien, mit Hilfe derer der Einfluß einer aperiodischen Ordnung auf die kritischen Eigenschaften am Phasenübergang statistischer Modelle beurteilt werden kann. Dies wurde speziell für Quantenketten formuliert, wobei die neuen Resultate zur exakten Renormierung der XY-Quantenkette eine direkte Anwendung auf bestimmte Spektraleigenschaften von Tight-Binding-Modellen gestattet.

Zudem gab es noch einen Vortrag über die Symmetrieanalyse von Zufallsparkettierungen und die Definition der zugehörigen elastischen Konstanten, und schließlich eine Interpretation eines Strukturmodells für einen oktagonalen Quasikristall im Rahmen einer Cluster-Beschreibung. Aus beiden Beiträgen ergaben sich konkrete Diskussionen auch für mögliche Richtungen bei der elektronischen Analyse, da auch dort die Frage im Raum steht, welchen Einfluß perfekte versus entropische Ordnung haben kann.

Aus den Reaktionen der Teilnehmer haben wir den Eindruck gewonnen, daß die Veranstaltung insgesamt sehr gut angekommen ist, wozu der nicht zu eng gesteckte Programmablauf und das angenehme Ambiente im Tagungshotel einen großen Teil beigetragen haben. Da wir sämtliche Zimmer des Hotels belegt hatten, wobei einige Doppelzimmer zu Dreibettzimmern aufgebettet werden mußten, ergab sich zwanglos eine fast familiäre Atmosphäre, in der sich die Teilnehmer zu angeregten Diskussionen zusammenfanden. Insbesondere deshalb halten wir diese Art eines Arbeitstreffen für einen sehr wichtigen Teil des Schwerpunktprogramms. Wir würden uns daher wünschen, daß auch in den folgenden Phasen des Schwerpunkts genügend finanzielle Mittel für Symposia bereitgestellt werden.

Chemnitz und Tübingen,

Uwe Grimm
Michael Baake
Michael Schreiber


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Uwe Grimm / u.grimm@physik.tu-chemnitz.de / Stand: 11. Dezember 1998